“Mein” Elberadweg von Cuxhaven bis Schmilka/Hrensko in 5 Tagen über 812km vom 23. – 29. Juli 2011 ( Tagebuchnotizen)

Wie in der Vergangenheit schon wiederholt, nutzte ich auch 2011 die Woche Resturlaub aus dem Vorjahr für eine längere Solo – Radtour. Aus den verschiedenen Optionen wählte ich dann den Elberadweg, den ich von der Nordsee (Cuxhaven) bis an die Grenze zur Tschechischen Republik (Schmilka/ Decin) befahren wollte. Die Rahmenbedingungen sahen vor, generell allein zu fahren, dafür das Mountainbike zu benutzen und außer der Trinkflasche in der Rahmenhalterung und einer kleinen Lenkertasche für Kamera und Handy, nur einen ca. 10 – 12kg schweren Rucksack mit allen nötigen Utensilien als Gepäck mitzuführen. So muss man sich auf das Nötigste beschränken und der Rucksack auf dem Rücken lässt das gesamte System „Rad – Körper – Rucksack“, schön um den Körperschwerpunkt zentriert, kompakt, stabil und mit ökonomisch – rationeller Kraftwirkung vorankommen. Zwei Zielstellungen waren mir auch diesmal wichtig, die zudem Einfluss auf den Zuschnitt der Tagesetappen hatten:

Natur, Kultur, Geschichte und Menschen kennenlernen.
Einen moderaten sportlichen Leistungsanspruch zu erfüllen.

Freitag, 22. 07. 2011:

Die Anreise von München nach Cuxhaven mit Radbeförderung war nicht nur langwierig, sondern stellte wegen der eingeschränkten Möglichkeiten der Radmitnahme in Zügen der Deutschen Bahn schon eine logistische Herausforderung dar. Ca. 04.30 Uhr mit der S – Bahn losgefahren, langte ich nach sechsmaligem Umsteigen gegen 19.00 Uhr in Cuxhaven an. Positiv ist anzumerken, dass letztlich alle Anschlusszüge pünktlich erreicht werden konnten und somit die Bahn ihren Beförderungsauftrag tadellos erfüllt hat.

Quartier:

Hotelpension Pflug, ein Dreisternehaus, das seine beste Zeit ganz sicher bereits hinter sich hat. Das Zimmer recht abgewohnt, sauber, mit allem Nötigen ausgestattet, aber extrem hellhörig. Für das Rad war eine offene Remise vorgesehen, sodass es geraten schien, das MTB abzuschließen. Dazu war ein vorhandener Radständer geeignet. Das Frühstück am nächsten Morgen war reichhaltig und abwechslungsreich, aber der Kaffee eher dünn…

Dass ich in 5 Gaststätten im Umfeld des Hotels, einschließlich der Gaststätten in Strandlage, nirgends Frischfisch als Abendmahlzeit bekommen konnte, wird mich sicher noch geraume Zeit an Cuxhaven erinnern. Wenn ich da an die Ostseeradtour von Travemünde – nach Ahlbeck/Usedom bzw. bis an die polnische Grenze zurückdenke – kein Vergleich! Was für viele wohlschmeckende Frischfischgerichte ich da täglich zwischen Rerik und Koserow serviert bekam, ließ diese Ostsee – Radtour für mich auch zu einer erinnerungswürdigen Gourmettour werden!

Samstag, 23. 07. 2011: Cuxhaven – Hamburg (152 km)

08.45 Uhr Start vom Hotel, dann direkt auf den Deich und zunächst zur allgegenwärtig ausgeschilderten Kugelbake. Regen, kalt, windig. Der Wind ausgerechnet ablandig, was Gegenwindbedingungen für mich bedeutete. Nach einigen Minuten des Wartens naht eine Joggerin auf dem menschenleeren Deich, die für mich das Tourstartfoto schießt.

Ich konzentriere mich auf die Radwegausschilderung, weil im Internet bereits mehrere Beiträge darauf verwiesen, dass die Ausschilderung in Cuxhaven und stadtnah sehr irreführend sei. Nützt nichts, auch ich fahre einen Kreis, bemerke es relativ früh, so dass sich die Mehrkilometer in Grenzen halten. Bis Belum sind etliche Umleitungen und schlechte Ausschilderung zu beklagen. Endlich in freier Landschaft, wird die Ausschilderung eindeutiger und es geht zügiger voran. Starker Regen, Kälte und Gegenwind sind an diesem Tag meine ständigen Begleiter. Die vielen Schafweidengitter, zwingen in relativ kurzen Abständen immer wieder zum Absteigen, Auf- und Zusperren, dann Tempo aufnehmen und Rhythmus wiederfinden. Das ist kraftraubender als erwartet. Auch am Deichfuß sind immer wieder Weidegatter zu öffnen und zu schließen, aber der Gegenwind ist erträglicher.

Am Wochenende ist das Oste-Sperrwerk generell geschlossen, deshalb keine Wartezeit und es geht zügig weiter. Durch die Obstmarsch, an Stade vorbei, dann ins „Alte Land“. Keine Rast, denn bei dem feuchtkalten Wetter und nass geschwitzt, ist es ratsam durchzufahren. Doch im Alten Land, auf einem Obsthof mit dazugehöriger Gaststätte, im Warmen, dann doch Kaffee und Kuchen. Anschließend schnell den Rhythmus wieder finden, was nach ca. 120 km in Kälte, Nässe und mit Kantenwind nicht mehr so leicht fällt und dann in Richtung Finkenwerder. Es wäre ratsam gewesen, doch noch einmal nach dem Weg zu fragen, denn ich lande im internationalen Fährhafen, muss einige Kilometer zurück und genieße dann eine sehr schöne Hafen- und Stadtrundfahrt zum Museumshafen, dem Fischmarkt und zu den Landungsbrücken, wo ich die Fähre verlasse und dann durch St. Pauli, entlang der Speicherstadt, vorbei an den Deichtorhallen radele, denn ich habe der Karte vertrauend, ein Hotel schon fast wieder am Rande Hamburgs, in Rothenburgsort, nahe des Elberadwegs, ausgesucht. In Hamburg scheint die Abendsonne, es ist angenehm nun gemächlich durch die Stadt zu radeln, endlich nicht mehr zu frieren und zudem komme ich auch an schönen Ecken der Stadt vorbei, die ich bei meinen früheren Aufenthalten natürlich nie zu sehen bekam.

Der Radweg war alles in allem im zweiten Tourteil gut ausgeschildert, über weite Strecken asphaltiert und insgesamt, vor allem mit dem MTB, gut zu fahren.

Quartier:

Das Elbbrückenhotel in Hamburg – Rothenbergsort erreiche ich um 18.45 Uhr. Es ist in der Tat nur ca. 300 m vom Radweg entfernt, liegt relativ ruhig. Ehrliches Dreisternehaus ohne Schnickschnack mit schönem, hell und vergleichsweise modern möblierten Einzelzimmer. Das Rad findet einen Platz in der abgeschlossenen Tiefgarage. Das Frühstück war sprichwörtlich „0 – 8 – 15“. Alles nur aus Großmarkt – Abpackungen, nichts Individuelles oder Frisches an Käse bzw. vom Metzger, aber der Kaffee ist richtig gut!

Sonntag, 24. 07. 2011: Hamburg – Lenzen (148 km)

Um 08.45 Uhr bin ich wieder auf dem Rad. Kälte, ablandiger Gegenwind und teilweise starker Regen! Hamburg wird zügig verlassen. Die Bedingungen und die gestrigen 150 km lassen es geraten erscheinen, sich mit niedrigeren Gängen etwas länger warm zu fahren. Bald rollt es wieder gut – Geesthacht schnell erreicht. Kernkraftwerk Krümmel schaue ich mir an. Bei Lauenburg geht es etwas weg von der Elbe, ins waldige und unerwartet bergig – hügelige Innenland. Die Route führt hier auf Waldwegen durch schöne alte Mischwälder und es muss aktiv und oft geschaltet werden. Einige Mitradler, in beiden Richtungen, scheinen damit eher schlecht zurechtzukommen. Sie müssen schieben. Dies ist jedoch sicher auch der Unmenge Gepäck geschuldet, das viele mit sich führen. Eine Erkenntnis, die ich schon bei früheren Touren gewann. Ich staune immer wieder, wenn mir Radler begegnen, die an der Vorder- und Hintergabel je zwei voluminöse Radkoffer transportieren, dazu auf dem Gepäckträger ein Behältnis und ein großes Gepäckstück noch am Lenker! Geradezu unglaublich und das Höchstgewicht für Fluggepäck wird sichtlich weit überschritten! Ich jedenfalls genieße diese Waldpassage, denn im Wald ist es vergleichsweise windstill und trocken, zudem öffnen sich von den Hügeln immer wieder wunderschöne Ausblicke auf die unten gemächlich dahin fließende Elbe.

Boizenburg wird erreicht, eine kleine Trinkpause eingelegt und dann öffnet sich das Elbtal weit, die Elbauen sind auf beiden Ufern kaum überschaubar breit. Der Regen wird immer heftiger und der Gegenwind bläst immer stärker. Der Radweg verläuft zudem auf der hochragenden Deichkrone und diese ist mit Zement – Verbundpflaster belegt! Wer wohl diese grandiose Idee hatte? Die Stöße spürt man in den Hand- und Schultergelenken von Minute zu Minute stärker und man wünscht sich sehnlichst, es möge doch wieder auf Asphalt gehen. Dieser Wunsch erfüllt sich nur streckenweise. Der heftige Wind zehrt an den Kraftreserven und an der Moral! Manchmal scheint es fast so, als würde ich auf der Stelle treten bzw. Stehversuche unternehmen, denn die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt trotz allem Dagegenstemmens deutlich unter die 10 km/h – Marke und das Ziel ist noch weit. Die Zeitplanung ist längst überholt, die Belastungsgrenze überschritten, doch in einem kleinen Café in Dömitz werden die Lebensgeister wieder geweckt, denn bis zum Tagesziel in Lenzen sind es jetzt nur noch ca. 20 km. Burg Lenzen erreiche ich kurz vor Einbruch der Abenddämmerung um 18. 35 Uhr.

Die Radwegbeschaffenheit wies auf dieser Etappe vor allem Verbundpflasterung auf, aber in einigen Passagen konnte am Deichfuß ein Betonweg benutzt werden. Am angenehmsten fuhr es sich mit dem MTB auf den unbefestigten Waldwegen. Fantastische Natureindrücke wurden zeitweilig von den harten Fahrbedingungen überlagert.

Quartier:

Das schöne historische Burghotel hat eine faszinierende Atmosphäre, eine appetitanregende Abendkarte und eine neue, komfortable Sauna, die in einem Nebengebäude fußläufig erreichbar ist. Für das Rad gibt es einen extra Radschuppen, der abschließbar ist. Genau das Richtige für einen entkräfteten, durchnässten und frierenden Radler. Auf meine Bitte hin wird die Sauna angeheizt und nach mehreren Saunagängen ist mir wieder warm, wenn auch die Erschöpfung nun noch spürbarer ist. Gut, dass man zum Abendessen nicht noch aus dem Haus muss! Das Essen schmeckt, das Zimmer lässt keine Wünsche offen, was nach diesem Gewaltritt über erneut ca. 150 km aber von zweitraniger Bedeutung ist. Beim Frühstück am nächsten Morgen ist (fast) alles Bio und der Kaffee schmeckt.

Montag, 25.07.2011: Lenzen – Tangermünde (106 km)

Das Wetter bleibt trüb und kühl, es regnet heftig, aber der Wind hat sich gelegt und es fällt später streckenweise nur noch etwas Nieselregen. Im Vergleich zum Vortag geradezu optimale Bedingungen und optimistisch geht es um 09. 00 Uhr auf die dritte, bewusst kürzer gehaltene Tagesetappe. Wittenberge, wo ich zuvor schon einmal weilte, wird besichtigt und hinter dem bekannten Uhrenturm die Stadt schnell verlassen. Unberührte Natur und seltene Tiere, die Ruhe am großen Fluss genieße ich heute ganz besonders, auch wenn Hand- und Schultergelenke zunächst stark schmerzen. Lange Passagen führt der Radweg wieder über Verbundpflaster auf der Deichkrone entlang. Unweit vor Havelberg, bei Gnevsdorf, beeindruckt der Zusammenfluss von Havel und Elbe. Diesen Punkt erreiche ich während einer heftigen Regenphase, der stärksten dieses Tages. Havelberg wird kurz besichtigt und bald geht es weiter. Das Tagesziel in Tangermünde erreiche ich schon gegen 16.35 Uhr und bin diesmal nicht so erschöpft wie nach dem Gewaltritt des Vortages. Das von mir gewählte Hotel „Schwarzer Adler“ liegt direkt im Zentrum der kleinen, wunderschönen, über 1000 Jahre alten Stadt mit gut erhaltener und vorbildlich restaurierter romanischer und gotischer Bausubstanz. Die Besichtigung des Stadtkerns war ein echtes Erlebnis.

Das Quartier:

Der Schwarze Adler ist ein qualitativ gediegenes Viersternehaus mit sehr gutem Preis – Leistung – Verhältnis. Hochwertige Zimmerausstattung, erstklassige Küche, sehr moderne Wellness- und Saunalandschaft, wie ich mich überzeugen konnte. Für die Räder gibt es eine eigene abschließbare Baracke auf dem Parkhof. Einziger Nachteil dürfte sein, dass das Hotel aus mehreren Gebäuden besteht und teilweise lange Wege zurückgelegt werden müssen. Dass Essen war sehr wohlschmeckend. Frühstücksleistungen waren exzellent und der Kaffee sehr gut!

Dienstag, 26. 07. 2011: Tangermünde – Steckby (127 km)

Endlich, endlich Sonne! Die „kurze“ Radbekleidung ersetzt die Regenbekleidung!

08.50 Uhr startet die Tagesetappe. Am Hafen von Tangermünde geht es wieder an die Elbe und auf einer kleinen Fähre über diese hinweg. Vom Fluss aus bietet sich noch einmal ein Panoramablick über das hübsche historische Städtchen, dann geht es wieder durch die weiten, stillen Elbauen gen Magdeburg, dem nächsten Zwischenziel. Bei Ferchland wieder über die Elbbrücke und in Rogätz nochmals die Fähre genutzt. Mittags, gegen 13.00 Uhr, wird Magdeburg durchfahren. Magdeburg und seine historischen Sehenswürdigkeiten kenne ich sehr gut, weshalb ich nicht die Route durch die Innenstadt, zum Dom bzw. zum Kloster „Unserer lieben Frauen“ wähle, sondern vom Herrenkrug kommend, durch Cracau nach Prester radele, wo ich an der wunderschönen kleinen restaurierten Kirche in Altprester eine Rast einlege. Wer diese historisch außerordentlich bedeutsame Stadt nicht kennt, darf jedoch auf die Innenstadtbesichtigung auf keinen Fall verzichten!

Erwähnenswert sind die vielen Störche, die hier schon am Ortsrand, wo es bereits richtig „ländlich” wirkt, über die Elbwiesen stolzieren. Abwechslungsreich ist die Streckenführung hinter Prezien, das durch sein berühmtes Hochwasserwehr bekannt ist. Es geht nun durch einsame Dörfer, Wiesen und Wälder;die Radwege sind teils unbefestigt. Die faszinierende Elblandschaft lässt keine Eintönigkeit aufkommen. Am Nachmittag erreiche ich nach abschließender, ca. 10 km langen sportlichen Crosseinlage auf unbefestigten Waldwegen und durch dichten Wald, den kleinen Ort Steckby, wo ich im Landgasthof „Zum Biber“ ein Zimmer buchte.

Das Quartier:

„Zum Biber“ ist ein typischer kleiner Landgasthof mit einigen sehr schönen, modernen und preiswerten Zimmern. Das Bad ist sehr geräumig und technisch sehr gut ausgestattet. Das Rad wurde sicher im Saal der Gaststätte untergestellt. Typische Hausmannskost zum Abend und ein sehr schönes Frühstück mit hausgeschlachteten Wurstwaren, die köstlich mundeten und eine besondere Empfehlung darstellen. Preis- Leistungs – Verhältnis absolut in Ordnung.

Mittwoch, 27. 07. 2011: Steckby – Torgau (111 km)

Unter wolkenlosem Himmel, bei strahlendem Sonnenschein, beginne ich die Tagesetappe um 08.55 Uhr. Wegen Hochwasser hatten einige der kleinen Fähren den Betrieb eingestellt, was mich zwang, teilweise auf Ausweichstrecken zu fahren, die stellenweise recht weit vom Fluss wegführten und eher eintönig waren. So zog sich der Weg über die großen Brücken bei Roßlau/ Dessau und später ging es mit der Elbfähre bei Elster über den Fluss. In den berühmten Parkanlagen von Wörlitz, die auf dieser Route ein unbedingtes „Muss“ des zu Besichtigenden darstellen, war ich schon mehrfach und fahre diesmal direkt über Coswig in die Lutherstadt Wittenberge, wo ich nicht nur lange an der Schlosskirche verweile und die Denkmäler Luthers und Melanchthons auf dem Rathausplatz intensiv betrachte, sondern auch den Cranachhöfen einige Aufmerksamkeit widme, ehe ich weiter fahre. Gegen 17.00 Uhr erreiche ich das schöne, sehenswerte 1000-jährige Renaissancestädtchen Torgau. Das Städtchen, einst von den sächsischen Kurfürsten gern als Residenz genutzt, mit der Kirche, die Luther eingeweiht hat und wo sich die Grabstätte seiner Gattin befindet, besitzt zahlreiche Denkmäler, denen ich bei einem ausgiebigen Regenerationsspaziergang mehrere Stunden widmete und das in der Stadtkirche gerade Orgel gespielt wurde, ließ mich längere Zeit verweilen und andächtig zuhören.

Geschichtsinteressierte wissen zudem, dass sich zum Ende des 2. Weltkrieges an der Elbe bei Torgau die Verbündeten US – Armee und Sowjetarmee offiziell, symbolisch und medienwirksam begegneten, sich die Hände reichten, während im Verborgenen beide Supermächte bereits für die Konfrontation des beginnenden Kalten Krieges rüsteten.

Die gewählte Unterkunft, die Hotelpension „ Zum Markt“ lag auch tatsächlich direkt im sehr schönen historischen Stadtzentrum.

Das Quartier:

Die Hotelpension „Zum Markt“, in einem gut restaurierten Bürgerhaus zu finden, ist auf Radwanderer besonders spezialisiert, denn in der Tat nutzten viele von ihnen diese Unterkunft. Der abschließbare Radschuppen war schon bei meiner Ankunft gut gefüllt. Am Abend konnte ich beobachten, dass einige spät ankommende Radler keine Unterkunft mehr bekommen konnten, weil die Pension ausgebucht war. Es empfiehlt sich sicher, spätestens am frühen Nachmittag, zumindest in der Hauptradsaison, mit dem Handy eine Reservierung vorab vorzunehmen. Das Zimmer war sehr schön und ruhig, besaß einen modern ausgestatteten Nassbereich, lediglich die Geräuschisolation könnte besser sein. Passable Gaststätten waren nur einige Gehminuten entfernt, z. B. am Markt, zu finden. Das Frühstück in der Pension war sehr reichhaltig und abwechslungsreich. Viele Frischprodukte vom Metzger und frisches Obst und Gemüse gab es reichlich. Der Kaffee war wohlschmeckend und das Preis – Leistungs – Verhältnis war absolut in Ordnung.

Donnerstag, 28. 07. 2011: Torgau – Meißen (72 km)

Um 08.55 starte ich auf die kürzeste Tagesetappe dieser Tour. Mehrere Male war ich bereits in Meißen, meist nur auf der Durchreise, aber nie habe ich diese berühmte Porzellanstadt besichtigt. Deshalb wollte ich am frühen Nachmittag, möglichst nicht zu sehr erschöpft, dort sein und den Rest des Tages für Besichtigungen nutzen. In der Tat war dies eine entspannte Tagestour durch das Elbtal und je mehr ich mich Meißen näherte, desto spürbarer stiegen rechts und links die Berge höher und die bekannten Weinberge wurden zahlreicher. Die Industriestadt Riesa hinterlässt bei mir keine besonderen Eindrücke und wird schnell durchfahren. Doch bald hinter Riesa radle ich einige Zeit durch wunderschöne Lindenalleen mit großen alten Bäumen. Beeindruckend auch die Lage des Schlosses Neuhirschstein über der Elbe. Ein Anblick, der mich zu einer kurzen und der einzigen Rast des Tages veranlasst, um ihn etwas länger zu genießen. Um 14.00 Uhr habe ich das wunderschön gelegene Hotel „Burgkeller“ auf dem Domplatz, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dom und zur Albrechtsburg, erreicht. Schnell duschen, umziehen und dann zur Besichtigungstour. Zuerst Dom und Burg, dann die Altstadt und schließlich die Porzellanmanufaktur mit Führung und Schauproduktion. Fazit: Eine sehenswerte, gut restaurierte Stadt und für Weinkenner sind die Meißner Weine sowieso ein Geheimtipp oder zumindest eine Kostprobe wert. Ich mag den Riesling, den Weißburgunder und den Goldriesling aus diesen Lagen und genieße sie in Maßen am Abend im Burgkeller – Restaurant, das hoch über der Stadt gelegen, einen traumhaften Ausblick über die dann beleuchtete Altstadt gewährt.

Das Quartier:

Das Hotel „Burgkeller“ ist ein typisches „echtes“ Viersternehaus in exponierter Lage auf dem Burgberg, nur wenige Schritte neben dem Dom und der Albrechtsburg. Service ist sehr gut, das Essen wohlschmeckend. Das Rad wird sicher in einem Turmraum eingeschlossen. Die Zimmer sind exzellent ausgestattet, besitzen Flair, der Nassbereich ist hochwertig und modern. Das Frühstück erfüllt alle Erwartungen und der Kaffee war sehr gut. Das Preis- Leistungs – Verhältnis ist, nicht zuletzt wegen der Toplage, angemessen.

Freitag, 29. 07. 2011: Meißen – Decin/ Schmilka/ Schöna ( 96 km)

Erholt und entspannt geht es auf die letzte Etappe dieser Tourwoche. Ich radle in „kurz“, obwohl sich schon Regenwolken aufzutürmen beginnen. Um 08.15 Uhr rolle ich bereits über das Kopfsteinpflaster den Burgberg der Albrechtsburg hinunter. Nur wenige Minuten später bin ich auf dem Radweg am Elbufer. Es geht gut und zügig voran. Die Berge rechts und links steigen später immer höher, doch zunächst fällt auf, dass die Besiedlung dichter ist, denn die reinen Naturpassagen werden deutlich weniger. Schnell erreiche ich Radebeul, dann Dresden, aber obwohl ich dort Quartier nehmen werde, radle ich zunächst immer am Ufer endlang und durch beide Städte hindurch. Erste Regentropfen werden ignoriert und stattdessen das Tempo erhöht, was mir keine Probleme bereitet, denn ich bin ja gut im Training! Heidenau, dann Pirna und hinein in die Sächsische Schweiz. Streckenweise geht es jetzt durch dichten Wald und die Berge steigen rechts und links der Elbe immer mehr himmelwärts. Felsenbühnenstadt Rathen, Basteifelsen, Lilienstein, Königsstein, sind jeweils kurze Fotostopps wert. Inzwischen regnet es heftig und ich brauche die Regenkleidung, doch es ist nicht mehr so weit bis zum Ziel. Unspektakulär ist die Zielankunft in Schmilka/Decin um 13.40 Uhr. Ich überfahre die deutsch – tschechische Grenze, schieße das unvermeidliche „Ich-war-hier-Foto“, kehre dann um, setzte mit der Fähre in Schmilka über die Elbe, um auch auf dieser Seite nochmals vom Bahnhof Schöna zur Grenze, Richtung Dolni Zleb, zu fahren. Diesen Entschluss fasse ich, weil die Regionalbahn noch einige Zeit auf sich warten lässt. Durchnässt, wie ich bin, ist es ratsam lieber noch einige Kilometer zu fahren, statt frierend und nass auf den Zug zu warten. So radle ich gemächlich nochmals über die Grenze und fahre mich dann Richtung Bahnhof „aus“, oder neudeutsch: Cooldown! Dann mit der Regionalbahn nach Dresden und zielstrebig radelnd zum World Trade Center, ins Hotel „Elbflorenz“. Nach dem Check-in, schnell duschen und umziehen, dann ab ins kulturelle Zentrum von Elbflorenz. Leider regnet es stark, aber als regelmäßiger Dresdenbesucher habe ich keinen Besichtigungsdruck, schaue kurz ins „Grüne Gewölbe“, schlendere an der Fürstenprozession entlang, verweile hier und da und suche mir dann eine Gaststätte, wo ich typische regionale Gerichte, bekommen kann. Das wird eine echte Herausforderung, denn danach muss ich längere Zeit – letztlich erfolgreich – suchen!

Das Quartier:

Das Elbflorenz ist ein modernes Hotel, welches in das Gebäudeensemble des World Trade Center Dresden integriert ist. Ein sehr großes Haus, mit vielen Zimmern, was eine offensichtlich unpersönliche Atmosphäre befördert und einen spürbaren Technizismus in den Abläufen und im Umgang mit den Gästen bewirkt. Lange Wartezeiten an der Rezeption, nicht nur beim Check-in/ Check-out, wenn man Fragen/ Wünsche hatte, waren in Kauf zu nehmen, was auch nicht durch die betonte Höflichkeit und Servicebereitschaft des Personals kompensiert werden konnte. Das zeigte sich speziell beim Frühstück deutlich. Sehr gutes, reichhaltiges Buffet, guter Kaffee, aber der riesengroße, wartesaalähnliche Frühstücksraum, indem man trotzdem keinen eingedeckten Tisch fand und keine diesbezügliche Hilfe vom Servicepersonal bekam, weil niemand als ordnende Kraft fungierte, verstärkten den Eindruck von Massenabfertigung.

Positiv: Das Hotel verfügt über eine spezielle und abschließbare Radgarage zur sicheren Aufbewahrung der Räder!

Samstag, 30.07.2011: Rückreise Dresden – München

Die Rückreise, mit der DB war sehr entspannt, was u. a. darin begründet lag, dass mit dem Regionalzug von Dresden direkt bis Nürnberg gefahren werden konnte und dort sofortiger Anschluss nach München gewährleistet war. Nur einmal umgestiegen und die Züge fuhren pünktlich, sodass ich diese Rückfahrt entspannt genießen konnte.