Anreise von München nach Schleis (Schleis – Reschenpass – Schleis 36 km)

Die Anreise nach Schleis, einem Ortsteil von Mals, ist von München aus in knapp drei Stunden geschafft. Ich habe eine Woche Zeit, in der ich vom Reschenpass nach Venedig mit dem Mountainbike gelangen möchte. Der Rückweg soll mit der Bahn bewältigt werden. Deshalb war ein wichtiges Kriterium für die Auswahl des Ausgangsquartiers, dass hier das Auto für diese eine Woche auf dem Hausparkplatz verbleiben kann. Die Tour wird in verschiedenen Varianten von Radreise – Anbietern organisiert, doch ich möchte deutlich schneller vorankommen und auch eine sportliche Komponente integrieren. Zudem steht insgesamt nur eine Woche für dieses Reiseprojekt zur Verfügung.

Sportlich fahren, mit sich allein sein und dabei ungestört über das eine oder andere nachdenken, Land und Leute kennenlernen, sind wichtige Motive für mich auf dieser Tour.

Erfahrungen mit mehrtägigem Wanderradeln besitze ich noch nicht, denn bisher habe ich zwar sehr viele, auch anstrengende und lange Tagestouren bewältigt, aber nur mit Rad und Rucksack (mehr Gepäck nehme ich nicht mit) von Tagesziel zu Tagesziel radeln, bedeutet radsportliches Neuland für mich. Ich werde erstmals auf dieser Tour entsprechende Erfahrungen sammeln. Deshalb habe ich eine hinreichende Zeitreserve für mögliche Eventualitäten geplant und nur ungefähre Vorstellungen über die Länge der einzelnen Tagesetappen entwickelt. Folglich sind auch keine Quartierreservierungen vorgenommen worden. Ich vertraue darauf, auch unangemeldet ein Bett für die Nacht zu finden und werde einfach täglich so fahren, dass ich rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit irgendeine Pension/ ein Hotel erreiche, wo ich „mein Haupt für die Nacht betten kann“! Da noch keine Hauptferiensaison ist, wird dies hoffentlich klappen.

Nach dem Bezug des Zimmers in der Pension „Marianne“ treffe ich die nötigen Vorbereitungen für die Radtour und packe den Rucksack. Dann beginnt bereits der sportliche Teil, denn ich fahre mit den MTB den Berg hinauf – zurück zum Reschenpass. Denn dort will ich die Tour offiziell beginnen und nicht schon vor Beginn die ersten Kilometer „einsparen“.

Es geht zunächst rech straff bergauf, bis der Haidersee in St. Valentin erreicht ist. Danach wird der Anstieg etwas flacher und entlang des Reschenstausees gelange ich bald an den Reschenpass bzw. an die österreichisch – italienische Grenze. Der Weg zurück ist sehr viel leichter zu bewältigen, denn es geht überwiegend bergab. Danach schlendere ich an der hier noch schmalen Etsch hinab zu einem sehr schönen Restaurant und esse kohlenhydratreich und lecker zu Abend.

Das Quartier: Die Pension „Marianne“ in einem der Ortsteile von Mals (Vinschgau) ist direkt am Etschradweg gelegen. Ruhige Umgebung, schöne zweckmäßige Zimmer mit Balkon und Ortlerblick, reichhaltigem Frühstück und gutem Kaffee. Wichtig, dass das Auto eine Woche auf dem Parkplatz verbleiben kann. Vernünftiges Preis – Leistungs – Verhältnis.

1.Etappe: Von Schleis nach Neumarkt mit einem Abstecher nach Kalteren (151km)

Punkt 09.00 Uhr besteige ich vor der Pension das Rad und folge nun dem Lauf der Etsch. Der Radweg ist sorgfältig ausgeschildert und asphaltiert. Wetter ist angenehm, nicht zu heiß und trocken. Tendentiell geht es immer bergab. Schnell erreiche ich Glurns, die kleine Stadt mit vollständig erhaltener mittelalterlicher Struktur, die unbedingt eine Besichtigungspause wert ist. Dann geht es zügig bergab und bald tauchen die ersten der endlos erscheinenden Apfelplantagen auf, für die der Vinschgau u.a. berühmt ist. Bei Latsch ist die Apfelblüte jedoch fast schon vorbei, doch ich vermag mir gut vorzustellen, was in bester Blühzeit für eine Blütenpracht vorherrschenen mag. Streckenweise ist der Radweg naturbelassen und mehrfach wird die Etsch auf Brücken, die absolut radgerecht sind, hin und her überquert. Beeindruckend das Schloss Kastellbell . Im Verlauf von relativ wenigen Kilometern wird aus dem Bach ein immer breiterer und wilderer Begfluss, der vor Meran schon eine beeindruckende Mächtigkeit erreicht. Meran ist bei relativ hoher Geschwindigkeit bald erreicht. Eine schöne Stadt, in der ich mehrfach verweile, um mir die Gebäude und Sehenswürdigkeiten anzusehen. Weiter geht es immer am Ufer der Etsch entlang durch dieses tief eingeschnittene aber breiter werdende Flusstal. Immer noch durch endlose Apfelplantagen und ich denke darüber nach, wer wohl diese Unmengen an Äpfeln verwerten kann und vor allem auch in welcher Form! Das nächste Teilziel ist Bozen und der gut asphaltierte Radweg gestattet es, auch mit dem MTB ein recht hohes, konstantes Tempo zu radeln. Ich erreiche Bozen um die Mittagszeit, schaue mich etwas in der Stadt um und beschließe, da es noch recht früh am Tage ist und ich mich noch sehr gut fühle, etwas weiter zu radeln. Ich kehre auf den Radweg zurück, der weiterhin gut ausgeschildert ist und fahre immer noch vor allem durch endlose Apfelplantagen im Tal, das von steilen Bergen umgeben ist, wo sich immer wieder eindrucksvolle Burgen präsentieren. Die Ortsnamen Kalteren und Tramin, jedem Weinkenner ein Begriff, tauchen auf und beim Näherkommen erkennt man rechts der Etsch die großen Weinanpflanzungen, die sich weit in die Hänge hinein ziehen.Ich beschließe einen Abstecher dorthin zu machen und fahre längere Zeit direkt auf Kalteren zu, breche inmitten der Weinberge nach einer Stunde diesen Ausflug ab, ohne im Ort gewesen zu sein, und kehre auf demselben Weg auf den Etsch – Radweg zurück. Diesem folgend, verweisen Hinweisschilder am Radweg auf das Städtchen Neumarkt und die Piktogramme verheißen Nahrung und Unterkunft dort. Ich verlasse den Radwg und fahre in das kleine, gut restaurierte Städtchen. Im Hotel „Andreas Hofer“ bekomme ich ein sehr schön gelegenes Zimmer und mein Rad wird unproblematisch in der Waschküche deponiert, weil ich Bedenken hatte, es nachts einfach im frei zugänglichem Radständer auf dem Hof des Hotels zu lassen. Zur Lockerung unternehme ich einen ausführlichen Rundgang durch das schöne alte Städtchen und esse in einem netten Restaurant zu Abend.

Das Quartier:

Das Dreisternehaus „Andreas Hofer“ ist zentral gelegen, gepflegt und mit viel Grün sind der Innenhof und die Balkone berankt. Das Zimmer entspricht in jeder Hinsicht den Erwartungen in einem 3 – Sterne – Hotel. Die Gaststätte in dem historischen Gebäude hat Atmosphäre und ein ansprechendes Angebot. Personal freundlich und serviceorientiert. Das Frühstück war solide und ausreichend, Kaffee wohlschmeckend. Das Preis – Leistungs – Verhältnis war in Ordnung.

2.Etappe: Von Neumarkt nach Verona (155 km)

Um 08.45 Uhr steige ich aufs Rad und erreiche bald wieder den Etsch – Radweg, der gut asphaliert und ausgeschildert auf der Deichkrone verläuft. Schon am Morgen scheint die Sonne und es ist sehr heiß. Schnell fahre ich mich warm und kann bald ein vergleichsweise hohes Tempo halten. Immer mehr Weinpflanzungen drängen die Dominanz der Apfelplantagen etwas zurück, aber die fruchtbare Ebene ist nachhaltig durch die Landwirtschaft geprägt. Irgendwo zwischen Neumarkt und Trento wird die Sprachgrenze überfahren. Bei Trento ist man weiter am Ufer der Etsch unterwegs, aber das ist zugleich die Route Claudia Augusta. Bei Trento sind einige recht lange Umwege zu fahren ehe es wieder auf den regulären Radweg geht. Inzwischen brennt die Sonne noch heißer und nachdem ich Rovereto erreicht habe, lege ich im Schatten einer Baumgruppe am Fluß eine etwas längere Rast ein. Weiter geht es dann Richtung Mori. Dort bietet sich die Möglichkeit rechts über die Berge an den Gardasee zu gelangen, aber ich habe mich bereits entschlossen, weiter der Etsch bzw. Adige, wie der jetzt sehr breite, eher gemächlich strömende Fluss, hier nun genannt wird, zu folgen. Zunächst ändert sich die Landschaft wenig, nur die Weinpflanzungen rücken immer näher an den Fluss heran. Auch die Autobahn verläuft nun über viele Kilometer sehr dicht rechts neben dem Radweg, was ein Gefühl der Eintönigkeit hervorruft. Mehrere kleine Orte durchfahre ich, ehe sie ganz in die Ferne rücken, was insofern unangenehm ist, als bei der Hitze mein Flüssigkeitsvorrat zur Neige geht und ich keine Möglichkeit zum Nachfüllen habe. Irgendwo im Nirgendwo endet der Radweg inmitten von Weinplanzungen abrupt. Kein Weghinweis – gar keine Info. Ein schmaler Trampelpfad führt vom Fluß weg, die einzige Option, wenn man nicht auf gleichem Weg zurück will. Nun stellt sich heraus, dass mein Karten- und Informationsmaterial keinesfalls ausreichend ist, aber so lange ich der Richtung des Flussverlaufes irgendwie folge, muß ich zwangsläufig nach Verona kommen! Mein Orientierungsvermögen war schon immer sehr gut, deshalb bin ich optimistisch, dass ich auch diesmal ganz gewiss zurechtkommen werde. Ich folge, das Rad schiebend, dem schmalen Fußweg längere Zeit, bis er erneut befahrbar ist. Bald gibt es wieder Straßen, aber es ist kein Verkehr darauf, so dass ich niemanden befragen kann. Irgendwann erreiche ich eine Brücke über eine kaum befahrene Straße, die Gelegenheit bietet, sich zu orientieren. Nicht allzuweit entfernt verläuft eine weitere Straße und es scheint eine Tankstelle o.ä. dort zu sein. Ich halte darauf zu. Es ist tatsächlich eine Raststätte. Gute Gelegenheit die Trinkflasche zu füllen und etwas zu essen. Kurze Zeit später trifft eine Gruppe niederländischer Radler ein. Sie verfügen über erstklassiges Kartenmaterial und Routenbeschreibungen der Tour und geben mir Einblick und weitere Tipps. Ich präge mir den weiteren Weg ein und stelle fest, dass es am besten wäre, bis Verona durchzufahren und dort Quartier zu suchen. Bei den nächsten Radprojekten nutze ich übrigens ab dann auch die hrvorragenden Tourbücher, die ich bei den Niederländern erstmals sah! Wegen der Hitze, bin ich zwar bereits ziemlich erschöpft, aber es ist erst kurz nach Mittag und die Strecke nach Verona müßte gut zu schaffen sein. Ich folge der Straße, die einige Anstiege bereithält, die ganz schön Kraft kosten. Die Straßen denen ich folge, werden erst nahe Verona verkehrsreicher und ich will möglichst auf Nebenstraßen fahren, was weitgehend gelingt, obwohl ich einmal fast mit dem Rad auf einer Autobahn gelandet wäre! Ca. 16.00 Uhr bin ich im Zentrum und versuche ein Zimmer zu finden. Das gestaltet sich schwierig und erst beim vierten, fünften Anlauf finde ich ein Bett – mehr ist es wirklich nicht und dazu recht teuer. Damit ist alles gesagt, aber immerhin gibt es einen Kellerraum, wo das Rad abgestellt werden kann.

Etwas Erfrischung und Kleidungswechsel und schnell begebe ich mich in die beeindruckende Stadt. Das antike Theater kann man nicht verfehlen und die weiteren Hauptsehenswürdigkeiten sind in nicht allzu großer Entfernung. Alles sehr beeindruckend und stundenland, bis es dunkelt, beeile ich mich, möglichst viel zu besichtigen. In sehr schöner Abendstimmung suche ich mir einen Gaststättenplatz im Freien, direkt neben dem Theater und genieße das Essen, den Wein und die milde Abendluft.

3. Etappe Von Verona nach Abano Therme (114 km)

Meine Unterkunft war in der Tat nicht unbedingt komfortabel. Ich bin früh auf den Beinen und verlasse schon vor 07.00 Uhr die eher ungastliche Stätte. Ich habe einige Mühe in der richtigen Richtung aus der Stadt zu finden und muß mehrmals nachfragen, was wiederholt dazu führt, dass die hilfsbereiten Menschen miteinander länger diskutieren, ehe ich gestenreich eine Richtung gewiesen bekomme. Mehrfach glaube ich, niemals die richtige Richtung zu finden, aber irgendwann bin ich doch auf Straßen, die ich auf meiner Karte finden kann und dann brauche ich nur noch einmal nachfragen, ehe ich nicht nur an Vincenza vorbei komme und alte Kirchen und Klöster besichtige, sondern von dort aus direkt nach dem berühmten Kurort Abano Terme radle. Erst bei der Tourplanung hörte ich den Namen Abona Terme und von den warmen Heilquellen zum ersten Mal. Deshalb beschloss ich, hier nicht nur möglichst früh am Tage anzulangen, sondern auch die Termalbäder zu genießen. Ohne diesen geplanten Stopp und mit durchgängig zügigem Tempo hätte ich bereits an diesem Tag Venedig – Mestre erreicht.

Da ich auf Grund der Ungastlichkeit des gestrigen Quartiers sehr früh auf dem Rad war und letztlich trotz mehrfachen Herumirrens dann zielstrebig in meinen Etappenort kam, bin ich zur Mittagszeit im Hotelbezirk und suche mir nach Augenschein ein Kurhotel der Mittelklasse mit eigenem Termalbad. Gold und Marmor prägen das Hotelfoyer und ich muß selbst schmunzeln, als ich verschwitzt, mit Rucksack und in Radbekleidung auf die elegant gekleideten Damen und Herren an der Rezeption zugehe und nach einem Zimmer frage. Kein Problem und auf Stöckelschuhen führt mich eine der Damen in die Tiefgarage, wo ich einen geschützten Platz für mein Rad zugewiesen bekomme. Das war alles in allem ein entspanntes Radeln an diesem Tag. Das Zimmer ist genauso goldig verschnörkelt, wie das ganze Hotel und auf Kurgäste eingestellt. Ich schlüpfe in den Bademantel und verbringe dann den größten Teil des Nachmittags im warmen Thermenwasser. In der Dämmerung schaue ich mir den Ort an, schlendere durch den Kurpark, die Kurpromenaden und finde etwas abseits sogar eine recht nette Pizzeria, in der vor allem die Einheimischen einkehren, was immer eine gute Empfehlung ist!

4. Von Abano Therme nach Venedig/ Mestre (56 km)

Wieder bin ich recht früh auf dem Rad, denn jede Minute, die ich früher in Venedig bin, kommt dem Besichtigungsprogramm zugute. Um 08.00 Uhr starte ich und wieder habe ich Probleme, aus der Stadt heraus zu finden und auch noch Richtung Venedig zu fahren. Doch nach mehrmaligem Fragen komme ich auf den richtigen Weg und als ich den Brentakanal erreiche, an den teils alten Villen vorbei fahre, weiß ich das Mestre nicht mehr so weit sein kann. Trotzdem bin ich überrascht, wie schnell ich im Tunnel unter dem Bahnhof anlange. Ich beginne sofort mit der Suche nach einem Quartier und habe schon beim dritten Anlauf Erfolg in einer kleinen neuen Pension. Auch das Rad findet eine sichere Verwahrung im Heizungsraum. Kurz sortieren und duschen und dann auf zum Bahnhof, um gleich die Rückfahrt – mit Rad – mit der Bahn zu reservieren. Das klappt problemlos. Dann mit einem der in kurzen Minutenabständen fahrenden Züge vom Festland (Mestre) in die Lagunenstadt. Dort die recht teure Bootskarte für die Lagunenstadt erworben und die nächsten eineinhalb Tage bin ich vom frühen Morgen bis in die Nacht auf Besichtigungstour und esse abends auch in einem der zahlreichen malerisch an den Kanälen gelegenen Restaurants.

Das Quartier: Dreisternehaus „Chris“ Kleines frisch renoviertes Hotel in der Nähe des Bahnhofs Mestre. Sehr schön eingerichtetes Zimmer. Sichere Radaufbewahrung garantiert. Frühstück abwechslungsreich und sehr guter Kaffee. Etwas hochpreisig, aber akzeptabel.

5.Von Venedig nach München

Am Sonntag beginnt die Rückreise vor 08.00 Uhr am Bahnhof Mestre. Der Zug fährt pünktlich und der Radtransportraum befindet sich gleich hinter der Lok. Rechtzeitig erreichen wir Meran und die kurze Wartezeit dort, nutze ich, um mich in der Nähe des Bahnhofs umzuschauen. Mit dem Rad ist der Aktionsradius recht gut und so kann ich noch das eine oder andere, mir sehenswert Erscheinende, besichtigen. Dann geht es mit der privaten modernen Vinschgaubahn komfortabel weiter nach Mals. Dort angekommen steige ich wieder aufs Rad, um die wenigen Kilometer nach Schleis zu radeln, wo das Auto untergestellt war. Diese kurze Strecke weist eine beträchtliche Steigung auf, so dass nochmals kräftig in die Pedale getreten werden muß. Das Rad wird eingeladen und der dreistündige Rückweg nach München angetreten. (Die Kilometerangaben entsprechen der Angabe meines persönlichen Radtachos …).